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<title>Straining</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Straining</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Straining</b> (von engl. <i>to strain</i> »ziehen, dehnen, belasten, anstrengen, spannen, pressen, beanspruchen«)
bezeichnet in der <a href="Organisationsforschung" class="mw-redirect" title="Organisationsforschung">Arbeits- und Organisationsforschung</a> und <a href="Gesundheitspsychologie" title="Gesundheitspsychologie">Gesundheitspsychologie</a> eine Form der Diskriminierung und des <a href="Mobbing" title="Mobbing">Mobbings</a> am Arbeitsplatz, bei der eine bewusste <a href="Belastung_(Psychologie)" title="Belastung (Psychologie)">Belastungssituation</a> vorsätzlich herbeigeführt wird, unter der das Opfer psychisch und/oder physisch erkrankt und unter dem aufgebauten Druck zusammenbricht.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Erstmals 2004 vom deutschen Arbeitspsychologen Harald Ege in Italien angewandt und definiert und dort in Arbeitsgerichtsprozessen in Form von Gutachten eingesetzt, hielt der Begriff schnell Einzug in die italienische Rechtsprechung.
In einem Strainingfall wird das Opfer gezielt psychischem Stress ausgesetzt. Der sogenannte Strainer entzieht dem Opfer Aufgaben, es bekommt keine Einladungen zu Sitzungen mehr, es wird vom Informationsfluss ausgeschlossen sowie von formal Untergebenen und bei Entscheidungen, die eigentlich in seinen Kompetenzbereich fallen müssten, übergangen. Manchmal werden sogar Büro oder Arbeitsmittel wie Computer und Telefon entzogen. Das Strainingopfer fühlt sich degradiert, aufs Abstellgleis gestellt, blockiert und bestraft.<sup id="cite_ref-Schreiber_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Schreiber-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Durch den bewusst herbeigeführten Entzug von Arbeitsaufgaben, durch Isolierung (Abschiebung in einen "<i>Abstellraum</i>") sowie Über- und Unterforderung führt Straining zur Frustration, Krankheit bis hin zum <a href="Suizid" title="Suizid">Suizid</a>.<sup id="cite_ref-Schreiber_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Schreiber-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Straining ist ein weit verbreitetes Phänomen. Eine großangelegte deutschlandweite Studie mit über 2300 Teilnehmenden aus dem Bereich des öffentlichen Dienstes kommt zu dem Ergebnis, dass 3,9 % aller Beschäftigten schon einmal Opfer von rechtlich relevanten Straining-Attacken waren.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei rund jedem vierten Straining-Opfer wurde die vierte Phase und damit der Verlust des Arbeitsplatzes erreicht. Die geringe Bekanntheit von Straining, bei gleichzeitig gravierenden Folgen, lässt in der Wissenschaft die Forderung nach klaren gesetzlichen Regelungen lauter werden.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ursachen">Ursachen</h2></div>
<p>Ein Mitarbeiter soll zunächst „kaltgestellt“ werden, damit er, zermürbt von der Situation, freiwillig das Unternehmen verlässt. Dies kann vorkommen, wenn eine andere Partei die Wahl gewonnen hat oder ein neuer Vorstand oder Behördenleiter ernannt wurde und nun alle Schlüsselpositionen mit eigenen Leuten besetzt werden sollen<sup id="cite_ref-Schreiber_2-2" class="reference"><a href="#cite_note-Schreiber-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Auch schwache Vorgesetzte können Straining einsetzen, um leistungsfähige und leistungsbereite Untergebene zum Verlassen des Unternehmens zu bewegen und sich dadurch vor einer potentiellen Konkurrenz zu schützen. Allgemein wird Straining eingesetzt, wenn man sich von einem Mitarbeiter trennen möchte, es jedoch keine Gründe gibt, die dem allgemeinen oder besonderen Kündigungsschutz bzw. dem Beamtenrecht standhalten oder wenn man sich die Abfindung im Fall eines Aufhebungsvertrages ersparen möchte.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Abgrenzung_zum_Mobbing">Abgrenzung zum Mobbing</h2></div>
<p>In beiden Fällen handelt es sich um einen <a href="Konflikt" title="Konflikt">Konflikt</a> am Arbeitsplatz über eine Dauer von mindestens sechs Monaten, bei dem sich das Opfer in einer unterlegenen Position befindet.
Während <a href="Mobbing" title="Mobbing">Mobbing</a> definitionsgemäß wiederholt stattfindet, reicht beim Straining eine einmalige <a href="Degradierung_(Rang)" title="Degradierung (Rang)">Degradierung</a>, die permanent auf das Opfer wirkt.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Statt lauter, direkter und vielseitiger Attacken findet eine verdeckte <a href="Diskriminierung" title="Diskriminierung">Diskriminierung</a> durch Änderung der Arbeitsaufgaben statt. Während beim Mobbing mehrere Eskalationsphasen stattfinden, sind diese beim Straining weniger ausgeprägt aber genauso zermürbend.<sup id="cite_ref-Schreiber_2-3" class="reference"><a href="#cite_note-Schreiber-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Da mehrere Strainingfälle in einem Mobbingfall enthalten sein können, kommt Straining häufiger vor als Mobbing.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Harald Ege: <cite style="font-style:italic">Straining – Eine subtile Form von Mobbing</cite>. 1. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-40365-5 (190 S.).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Straining&rft.au=Harald+Ege&rft.btitle=Straining+-+Eine+subtile+Form+von+Mobbing&rft.date=2014&rft.edition=1&rft.genre=book&rft.isbn=9783525403655&rft.place=G%C3%B6ttingen&rft.pub=Vandenhoeck+%26+Ruprecht" style="display:none"> </span></li>
<li>Tim Oehler, <i>Rechtslage und Fallstricke bei psychischen Erkrankungen: Burnout</i>..., Osnabrück 2013 <a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.at/books?id=WRvbAQAAQBAJ&pg=PA46&lpg=PA46&dq=%22straining%22&source=bl&ots=bNWiT6GlNc&sig=yNlBnZZyyobD6Olq0dmAugIzaK8&hl=de&sa=X&ei=oHROVIBLhOVqnLyC6A8#v=onepage&q=%22straining%22&f=false">books.google</a></li>
<li>Frank Jansen, Sebastian Hartmann: <i>Straining und Mobbing im Lichte des Persönlichkeitsschutzes</i>, NJW 2012, Heft 22</li>
<li>Sebastian Hartmann: <i>Mobbing. Ein unbekanntes Phänomen – Tatort Arbeitsplatz.</i> AuA 2016, Heft 3.</li>
<li>Sebastian Hartmann: <i>Mobbing und Straining im öffentlichen Dienst : Eine rechtliche Würdigung juristisch vernachlässigter, aber real existenter Phänomene,</i> Würzburg, Univ., Diss., 2023 (410 S.)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Ege, in: Straining: Eine subtile Art von Mobbing, 2014, 1.2</span>
</li>
<li id="cite_note-Schreiber-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Schreiber_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Schreiber_2-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Schreiber_2-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Schreiber_2-3">d</a></sup></span> <span class="reference-text">Birgit Schreiber: "Straining: Die versteckte Art des Mobbings" in Psychologie heute, Juni 2015</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Sebastian Hartmann: <cite style="font-style:italic">Mobbing und Straining im öffentlichen Dienst : Eine rechtliche Würdigung juristisch vernachlässigter, aber real existenter Phänomene</cite>. Würzburg 30. Mai 2023, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>367</span>, <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.25972/OPUS-31672">10.25972/OPUS-31672</a></span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Straining&rft.au=Sebastian+Hartmann&rft.btitle=Mobbing+und+Straining+im+%C3%B6ffentlichen+Dienst+%3A+Eine+rechtliche+W%C3%BCrdigung+juristisch+vernachl%C3%A4ssigter%2C+aber+real+existenter+Ph%C3%A4nomene&rft.date=2023-05-30&rft.doi=10.25972%2FOPUS-31672&rft.genre=book&rft.pages=367&rft.place=W%C3%BCrzburg" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Kai Schiller: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article239363615/Mobbing-in-Behoerden-Ich-will-nicht-mehr-schweigen.html"><i>Mobbing in Behörden und bei Beamten: „Ich will nicht mehr schweigen“.</i></a> 6. September 2023,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 3. Oktober 2023</span> (deutsch).</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AStraining&rft.title=Mobbing+in+Beh%C3%B6rden+und+bei+Beamten%3A+%E2%80%9EIch+will+nicht+mehr+schweigen%E2%80%9C&rft.description=Mobbing+in+Beh%C3%B6rden+und+bei+Beamten%3A+%E2%80%9EIch+will+nicht+mehr+schweigen%E2%80%9C&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.abendblatt.de%2Fhamburg%2Fkommunales%2Farticle239363615%2FMobbing-in-Behoerden-Ich-will-nicht-mehr-schweigen.html&rft.creator=Kai+Schiller&rft.date=2023-09-06&rft.language=de-DE"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Jansen/Hartmann, Straining und Mobbing im Lichte des Persönlichkeitsschutzes, in: NJW 2012, 1540 (1543)</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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